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Die Invasion der Investoren

Der deutsche Gesundheitsmarkt ist attraktiv für Investoren

Die deutsche Zahnmedizin ist nicht vergleichbar mit Systemen in den EU-Nachbarländern oder der USA. Wie Sie wissen sind Sie in der Ausübung Ihres Berufes in nahezu allen Leistungsbereichen der Budgetierung unterworfen und das aus gutem Grund – das Heilen und nicht die Rendite soll im Vordergrund stehen.

Schlussendlich schützt das deutsche Gesundheitssystem Sie als Zahnarzt vor einem ausschließlich Wettbewerb getriebenen Preiskampf und stellt so für den Patienten eine erschwingliche zahnmedizinische Versorgung zur Verfügung

In den USA hingegen steht der Zahnarzt mehr oder minder dem Prinzip der freien Marktwirtschaft gegenüber. Es bestehen keine Regulierungen für die Kosten einer zahnmedizinischen Behandlung. Somit sind Zahnbehandlungen in den USA um ein Vielfaches teurer.

Die logische Konsequenz ist für den Zahnarzt in den USA ein aggressives Marketing

Ein bedenklicher Trend, der durch das Hinzukommen von Praxisketten und Investorenpraxen auch in Deutschland zu beobachten ist. Zahnmedizin wird als Wohlfühl-und Lifestyle-Produkt präsentiert.

Doch hinter diesem Trend steckt noch weitaus mehr: Finanzgeber dieser auffällig werbenden Zahnarztpraxen, bzw. Zahnarztketten, sind nämlich Private-Equity-Gesellschaften. Milliardenschwere Investoren aus den USA oder den EU-Nachbarländern, die den deutschen Gesundheitsmarkt als lohnendes Investment mit zweistelligen Renditeerwartungen betrachten.

Deutschland ist der größte zahnmedizinische Markt in Europa – Im Jahr 2015 erwirtschafteten alle deutschen Zahnarztpraxen zusammen nach Aussage der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) 26 Milliarden Euro Gesamtumsatz

Gefährliche Entwicklungen im deutschen Gesundheitsmarkt

Der Patient und der Hippokratischer Eid stehen somit bei der Entscheidung innerhalb der Behandlung z.B. zum Thema „Prothese oder Implantatversorgung“ an zweiter Stelle.

In Zahnarztpraxen, die durch Investoren betrieben werden sind die Zahnärzte angestellt. Die Freiberuflichkeit ist nicht gewollt. Über ein zentrales Abrechnungs-und Verwaltungssystem kann das zahnmedizinische Handeln somit kontrolliert und ggf. reglementiert werden. Es werden eine maximale Geschwindigkeit, eine effektive Ressourcennutzung und eine gute Vertriebskunst verlangt. Nicht selten erfolgen auch Abmahnungen oder entsprechende Mitarbeitergespräche.

Vor Allem verbreiten sich die Praxisketten in zahlungskräftigen Regionen, also in den Städten. Die flächendeckende zahnmedizinische Versorgung, mit einer Durchdringung auch auf dem Land, steht hier nicht im Fokus.

Fraglich ist, ob sich die ausländischen Investoren mit Blick auf ihren eigenen Märkten mit der Investition in das reglementierte deutsche Gesundheitssystem langfristig nicht verspekuliert haben. Zudem entscheidet letztlich der Patient, wo er sich gut aufgehoben fühlt – er hat die Wahl zwischen der ehrlichen Zahnmedizin und den auf Umsatz getrimmten Praxisketten.

Ursache für den Markteintritt der Investoren

Das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz öffnete im Jahr 2015 für die Investoren (versehentlich) alle Türen. Der Grundsatz, dass das Kapitalinteresse einer medizinischen Entscheidung nicht beeinflussen darf und somit auch nur Mediziner eine Zahnarztpraxis kaufen dürfen, konnte nun mit einem geschickten Schachzug umgangen werden. Denn einem Inhaber eines Krankenhauses war es nun erlaubt ein zahnmedizinisches Versorgungszentrum (MVZ) zu gründen. Somit kauften Investoren entsprechende Krankenhäuser, teils insolvente Häuser und erhielten dadurch den gewünschten Status. Denn ein Eigentümer eines MVZs wiederrum darf bundesweit Zahnarztpraxen kaufen.

Durch das am 14.03.2019 verabschiedete Terminservice-und Versorgungsgesetz ist der Handlungsspielraum glücklicherweise durch eine prozentuale Begrenzung solcher Praxisketten wieder deutlich eingeschränkt worden, jedoch haben bisher zugelassene MVZs Bestandsschutz.

Chancen der Investoren im deutschen Gesundheitsmarkt

Die Investoren treffen auf eine unsicherere Gründergeneration und auf eine angsterfüllte Abgeberkohorte, die verzweifelt versucht „Ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen“. Somit auf einen zugänglichen Markt.

Der Nährboden für größere Praxisstrukturen ist der Gedanke, dass eine Zahnärztegeneration mit 45% Frauenanteil – in der Altersgruppe unter dem 35. Lebensjahr sind es sogar 61 % – nur das Angestelltendasein fokussiert. Dass also der Wunsch nach einem Leitwolf pro Praxiseinheit besteht, dem man sich gern mit dem Zuspruch Teilzeit/Jobsharing unterordnet.

Beobachter gehen alleinig auf Grund der hohen Frauenquote von einem Rückgang der Anzahl an Einzelpraxen und parallel der Freiberuflichkeit aus. Dies ist aus vielerlei Hinsicht falsch. Zum einen ist z.B. der Wunsch der Vereinbarkeit von Familie/Freizeit und Beruf eine generelle Frage Ihrer Generation, der sogenannten Generation Y, und zum anderen wird unserem Eindruck nach weiterhin die Selbstverwirklichung in der Selbständigkeit angestrebt. Nur in einer anderen Art und Weise, als es die Vorgänger in der Vergangenheit umgesetzt haben

Meine Antwort auf die Marktentwicklungen:

Mir ist bewusst, dass Sie durchaus aktiv über die Freiberuflichkeit nachdenken und nur ein sehr geringerer Anteil der Zahnärztinnen/Zahnärzte die Möglichkeit der Selbständigkeit kategorisch ausschließt.

Allerdings stehen Sie bei einem Gründungsvorhaben im 21. Jahrhundert vor einem Wandel der Zahnmedizin an sich. Die Digitalisierung ist eine etablierte Größe. Die Ansprüche an das Raumkonzept sind zum einen auf Grund des Platzanspruchs der Medizintechnik und zum anderen wegen dem Wunsch der Zusammenarbeit in entsprechenden Berufsausübungsgemeinschaften anspruchsvoller, es werden nämlich größere Flächen benötigt. Am Markt stehen jedoch viele ehemalige Einzelpraxen zur Auswahl – ohne Ausbaumöglichkeiten.

Neben vielen gesetzlichen Regelarien, von Hygiene bis Datenschutz, ist das Unternehmertum mehr denn je gefragt. Heutzutage steht der Gründer oder Praxisinhaber deutlich höheren organisatorischen, betriebswirtschaftlichen und charakterlichen Anforderungen bei seiner Tätigkeit gegenüber.

Workflows, Arbeitsschritte müssen definiert werden. Die Industrie und Praxisberater liefern jeweils ein Inselwissen für Ihre Produkte und man selbst hat die Aufgabe aus den vielen kleinen Bereichen eine komplexe Praxisstruktur zu stricken, die effizient und im Sinne der Patienten wie ein Schweizer Uhrwerk tagein tagaus funktioniert.

Niemand weiß besser, wie Sie als Zahnarzt, dass Zeit Geld ist. Die Vergütung der Kassenleistungen über Ihr standesrechtliches System ist nämlich kniepig und geizig mit realistischen Zeitangaben pro Behandlung. Es müssen raffinierte Behandlungs-und Praxiskonzepte entwickelt werden, um im Rahmen des Möglichen, patientenorientiert, angemessene Gewinne mit der Ausübung des eigenen Berufs zu erzielen.

Zuzahlerleistungen gehören gut durchdacht, fair konzipiert und beworben.

Wer seine Tätigkeit am und für den Patienten ehrlich und nach besten Gewissen ausübt und in erster Linie die Gesundheit der Patienten im Blick hat, hat im heutigen Markt auf Grund der oben aufgeführten Sachverhalte nicht automatisch eine angemessene Verdienstchance in der Selbständigkeit – so sollte es aber sein!

Vergessen sollte man auch nicht, dass Medizinische Versorgungszentren, Zweigpraxen und überörtliche Berufsausübungsgemeinschaften heute in der Landschaft der zahnärztlichen Berufsausübungsformen selbstverständlich geworden sind. Das Angestelltenverhältnis hat durch diese Gesetzesänderungen automatisch an Attraktivität gewonnen und die Vielfalt der Ausübungsformen des Zahnarztberufes ist heutzutage deutlich ausgeprägter. So auch die Verdienstchancen.

Das Angestelltenverhältnis passt bei der einen oder anderen Kollegin/Kollegen oder sogar bei Ihnen selbst auf den ersten Blick vielleicht (temporär) besser in das geplante Lebenskonzept als die Selbstständigkeit.

Ich gehe jedoch davon aus, dass mit einem entsprechenden Lösungskonzept, welches die oben genannten Gefahren und Unwägbarkeiten gekonnt umschifft und mit diesem Sie sich auf Ihr Kern-Geschäft – die Betreuung Ihrer Patienten – konzentrieren können, Sie durchaus die Freiberuflichkeit für sich entdecken und erobern wollen würden

Mehr dazu gern im persönlichen Gespräch

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